Brennpunkt Schule

Ergebnisse des Projekts 'Schulerfolg unter Bedingungen multipler Bildungsrisiken'

Das Image der Schule

Der Ruf oder das „Image“ einer Schule ist meist mehr als bloße Außenwirkung. Er entsteht nicht zuletzt auch über die Selbstdefinition des Kollegiums, entfaltet seinen Einfluss auch nach innen und steht wiederum in einem Wechselverhältnis mit der Schulumgebung. Dabei hängt schulisches Ansehen weiterhin mit der Schulform zusammen: Dass Hauptschulen in ihrer Gesamtheit einen anderen Ruf haben als Gymnasien, liegt auf der Hand. Dem Schulimage kommt auf Stadt- oder Stadtteilebene in Zeiten „Neuer Steuerung“ noch eine weitere Bedeutungsdimension hinzu. Wenn Elternwahlrecht für weiterführende Schulen herrscht und sich stellenweise so etwas wie eine Marktkonkurrenz um Schülerzahlen entwickelt, kann ein schlechtes Image auf kurz oder lang sogar den Bestand der Schule bedrohen. Besonders Dieser Aspekt potenziert sich zudem für Schulen in benachteiligten Stadtteilen. „Image“ kann also, in extremen Fällen, zum Überlebensfaktor einer Schule werden.

Im Kontext unserer Studien interessieren wir uns auch dafür, wie die Akteure vor Ort ihr eigenes Schulimage definieren, woran sie es festmachen und welche Aspekte sie hier für maßgeblich halten. So haben wir in unserer ersten Fallstudie durchaus unterschiedliche Entwürfe von „Schulimage“ gefunden, die sich nicht zuletzt auch in ihren „Adressatengruppe“ unterscheiden.

Eine erste Figur wäre hier die Konzeption einer Schule, die eine positive Einstellung der Schülerinnen und Schüler zur Schule selbst zu befördern vermag und sich im Stadtteil als „attraktiv“ darstellt. So gibt der Schulleiter einer der Fusionsschulen unserer ersten Fallstudie an, ihm gehe es darum, im Zuge der Schulreform dafür zu sorgen, dass die neugegründete integrierte Schulform „für die Schüler insgesamt attraktiv ist, auch für die, die Abitur machen wollen“. Aufgrund der Schullandschaft im Stadtteil, die ihren Schwerpunkt auf niedrigqualifizierenden Schulen hatte und in der auch kaum Gesamtschulen existierten, „fehlte eigentlich für diese Bevölkerung hier immer eine relativ attraktive Schule“ (Interview_Schulleiter, FS I). Aus diesem Grund sieht er die Neugründung als Chance. Entsprechend bestehen Kontakte u.a. zu Grundschulen, um hier bereits dafür zu sorgen, dass die Schule ihr Ansehen verbessert und Schüler werben kann.

Eine zweite Figur innerhalb der Fallstudie I bezieht sich stärker auf den Faktor der ?Kooperation mit externen Akteuren. Der Schulleiter der zweiten Fusionsschule definierte diesen Schulentwicklungsbereich als eines seiner wesentlichen Aufgabenspektren. Damit war für ihn nicht nur die Verbesserung der innerschulischen Situation verbunden, sondern gleichzeitig die Verbesserung des Rufes der Schule im Stadtteil. Dabei steht dieser Punkt in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der Organisation der Schule selbst. So gibt er an, das „Tolle“ an der eigenen, alten Schule sei gewesen, dass man als „verlässlich“ gegolten habe: „[D]as heißt wenn Partner sich auf uns eingelassen haben waren sie zufrieden dass es eigentlich auch immer klappt“. Eine gute Organisation der Schule selbst ist dabei der Hauptaspekt:

[D]ie Schulen die einigermaßen gut sind die kriegen dann Angebote, die die anderen nicht kriegen. Also das ist so ‘ne Spirale, und […] es wär‘n schöner Selbstversuch gewesen, hätten wir *integrierte Schulform* werden können in dem kleinen Gebäude wären wir vermutlich bald eine der besten Schulen in *Stadtteil* geworden. Einfach weil die Eltern hätten diese Schule aufgrund ihrer Struktur, ihrer Übersichtlichkeit gewählt, wir hätten ganz andere Schüler gehabt“ (GD_Ge-schichte_Fusionsschule_2, FS I)

An beiden beschriebenen empirischen Befunden wird die Bedeutung von Image/Ruf im Verhältnis zum Stadtteil deutlich.

In unserer zweiten Fallstudie konnten wir differente Entwürfe von Schulimage finden, wobei her einzelne Elemente der oben beschriebenen Figuren ebenfalls auftauchen. Ein wichtiger Punkt ist in diesem Zusammenhang die Geschichte der Schule selbst, die ihren Anfang in einer Krise nimmt. Dabei ist entscheidend, dass die Schule eine längere Tradition des Lernens in heterogenen Gruppen über innere Differenzierung aufweist, die nicht immer positiv wahrgenommen wurde: Die Schule stand in einem Konkurrenzverhältnis zu solchen Schulen, die äußere Differenzierung als vorteilhafter propagierten. Die Schulreform hin zu integrierten Schulen fiel an dieser Schule demnach auf fruchtbaren Boden.

Die Schulleiter der Felix-Klein-Schule geben in einer Gruppendiskussion an, man habe sich Anfang der 2000er Jahre in einer ernsten Krise befunden, da die Anmeldezahlen auf ein Minimum geschrumpft seien. Die rettende Innovation bestand in einer verstärkten Öffentlichkeitsarbeit, wobei diese Praxis dem „üblichen“ Lehrerhandeln zunächst fremd gewesen sei: „man prahlt ja nicht mit dem was man so erreicht oder was man macht, und dann hat sich das geändert“. Man sei „aktiver geworden“, habe regelmäßige Kontakte zu Institutionen des Stadtteils und zu örtlichen Medien gepflegt und „kommuniziert wie unsere pädagogische Arbeit aussieht“ (GD_Schulleitung, FS II). Es folgen die erfolgreiche Teilnahme an Schulwettbewerben und andere Aktivitäten, welche die Schule in der Öffentlichkeit bekannt machen, Maßnahmen der Verbesserung des Schulimages werden innerhalb der Schule „gebündelt“. Insgesamt resultiert hieraus eine „gute Stimmung […] in der Schule“. Die Balance von Arbeit nach außen und Arbeit im Inneren ist dabei ausschlaggebend: „[D]as eine Ding ist nach außen zu gehen, aber wir haben eben auch intern versucht zu gucken was wir dort machen können“.

In den Schilderungen unserer Schulleiter aus der zweiten Fallstudie wird deutlich, wie stark das Schulimage mit den Faktoren der Selbstwahrnehmung, Identität, der Kooperation mit externen Akteuren und der Leitungskultur der Schule zusammenhängt. Alle hier beschriebenen Figuren überschneiden sich mit Blick auf den Zusammenhang von Schule und Stadtteil (Bezug zur sozialen Umgebung). Es kann demnach festgehalten werden, dass „Image“ zunächst einmal eine Kategorie ist, die auf der Selbstdefinition und der eigenen pädagogischen Ausrichtung einer Schule basiert und er dann eine Wirkung nach außen entfaltet, die wiederum in einer verbesserten Schulsituation resultiert. Es ergeben sich folgende Reflexionsanreize, die zu einer Arbeit am „Schulimage“ dienlich sein können:

  1. Wie ist eigentlich der Ruf unserer Schule im Stadtteil und darüber hinaus?

  • Welche Quellen haben wir hier zur Verfügung (Lokalzeitungen, Nachrichten etc.)
  • Wem ist unsere Schule eigentlich über ihren Namen hinaus bekannt?
  • Wie sind die Verhältnisse zu unseren Kooperationspartnern?

2. Image nach innen: Wie nehmen wir unsere Schule, ihre Stärken, Schwächen und ihre pädagogische Ausrichtung selbst wahr?

  • Wie würden wir unsere Schule in ein bis zwei Sätzen beschreiben?
  • Wie sehen unsere Schülerinnen und Schüler ihre Schule?
  • Welche Aspekte unserer Schule sind gut, aber außerhalb der Schule unbekannt?
  • Welche Aspekte unserer Schule sollten nach außen getragen werden, und welche Wirkung versprechen wir uns davon?

3. Welche Mittel der Verbesserung unseres Images bestehen und können genutzt werden?

  • Bestehen Kontakte zu Lokalzeitungen, Kooperationsnetzwerke oder andere „Sprachrohre“ nach außen?
  • Welche Kommunikationswege könnten hier (re-)aktiviert bzw. etabliert werden?

4. Wie können wir Maßnahmen der Imageverbesserung effizient, weitreichend und nachhaltig umsetzen?

  • Welche Organisationsformen (Konferenzen, AGs) wären hier sinnvoll und effizient?
  • Wie tragen wir entsprechende Innovationen ins Kollegium und machen sie transparent?
  • Wie binden wir die verschiedenen Professionen hier zielführend ein?
  • Wie binden wir die Schülerinnen und Schüler mit ein?