Brennpunkt Schule

Ergebnisse des Projekts 'Schulerfolg unter Bedingungen multipler Bildungsrisiken'

Kooperation mit externen Einrichtungen und Akteuren

Die Zusammenarbeit mit externen Einrichtungen  ist ein fester Bestandteil schulischer Praxis. Aus der erziehungswissenschaftlichen Forschung wissen wir, dass alle Schulformen mit Akteuren von außerhalb kooperieren. Hierzu zählen Vereine und Gemeindeeinrichtungen genauso wie solche der sozialen Arbeit. Wie genau diese Zusammenarbeit ausgestaltet wird, scheint dabei von der Schulform abhängig. So kooperieren Gymnasien häufiger mit anderen Schulen im In- und Ausland, währen Hauptschulen verstärkt Verbindungen zu Stellen der Jugend- und Schulsozialarbeit pflegen. Für Schulen in schwieriger Lage stellt sich die Frage nach der Bedeutung von Kooperation „nach außen“ mit Blick auf die problematischen Rahmenbedingungen in besonderem Maße. Im Zusammenhang unserer Untersuchungen konnten wir feststellen, dass Formen der Kooperation höchst verschieden ausgestaltet werden und dabei an unterschiedliche Zwecke und institutionelle Logiken gebunden sind. Sie sind auch abhängig von Entscheidungsstrukturen innerhalb der Einzelschule (Leitungskulturen).

Eine erste Variante der von uns identifizierten Kooperationsformen besteht in der Aufnahme und Weitergabe von Entwicklungsimpulsen, die von außen an die Schule herangetragen werden, durch die Schulleitung. Hier steht Kooperation sowie die Auswahl der Kooperationspartner in einem Zusammenhang mit schulentwicklerischen und übergeordneten pädagogischen Zielsetzungen.Der Fokus lag dabei auf der Durchsetzung basaler Ordnungsroutinen innerhalb des Schullebens (Ordnung) und auf der Integration der Schülerinnen und Schüler in die berufliche Ausbildungsphase nach dem Abschluss. Entsprechend wurden Akteure in den direkten Schulbetrieb eingebunden, zum Beispiel um die Herstellung von Ordnung innerhalb des Unterrichts sicherzustellen uns Programme zur Förderung der Ausbildungsfähigkeit der Schülerschaft entwickelt. In einem übergeordneten Sinne wurden Kooperationspartnerschaften aber auch als eine Chance zur Imageverbesserung im Stadtteil gesehen, wobei von einer positiven Auffälligkeit der Schule durch erfolgreiche Kooperationen im Rahmen verschiedener Projekte ausgegangen wurde (Image). Die Schulleitung nahm hier die Rolle eines Vermittlers nach außen und eines eher direktiven Steuerungsakteurs nach innen ein.

Eine nahezu gegenteilige Praxis fanden wir im Zusammenhang einer weiteren Schule, in deren Organisation die Hierarchien zwischen Schulleitung und Kollegium eher flach ausfielen. Die Schulleitung nimmt in dieser Ausgestaltung eher die Rolle eines Rahmenakteurs ein, an welchen Vorschläge für potentielle Kooperationen aus dem Kollegium heraus herangetragen werden. Die Richtung von Schulentwicklungsimpulsen durch externe Kooperation ist hier anders gelagert: Kooperationsimpulse werden stärker durch die Kolleginnen und Kollegen entwickelt und an den Schulleiter herangetragen, der dann absegnet, Mittel bewilligt und die administrative Rahmenarbeit leistet. Mitunter bedingt durch die Organisation der Schule über Teamstrukturen (Jahrgangsteams) zeigte sich hier ein Programm der externen Kooperation, welches vielfältig und eher jahrgangsspezifisch ausfiel und nicht gezielt auf bestimmte schulische Programmatiken zugeschnitten war.

Unsere zweite Untersuchungsschule betreibt ebenfalls diverse Formen der externen Kooperation mit unterschiedlichen Einrichtungen. Im Vordergrund stehen hier solche der Jugendhilfe und Schulsozialarbeit, wobei die Zusammenarbeit mit diesen Akteuren teils eine seit langem etablierte Tradition ist. Ein besonders enger Kontakt besteht hier vor allem zwischen den Sozialpädagoginnen und den außerschulischen Akteuren der sozialen Arbeit, die auf einer professionellen Nähe zwischen den schulischen und außerschulischen Kräften fußt. So besteht ein enger Austausch zum Beispiel mit einer Jugendhilfeeinrichtung im Bezug auf die Einzelfallbetreuung von Schülerinnen und Schülern der Schule. Die Einrichtung der Jugendhilfe gilt als „erste Ansprechpartnerin“ bei sozialen Problemen der Schülerinnen und Schüler, die nicht im Rahmen der eigenen innerschulischen Arbeit gelöst werden können. Sie ist für die Sozialpädagoginnen die „Ansprechpartnerin […] so zwischen Schule und Jugendamt“ (GD_Sozialpädagoginnen, FS II). Die verschiedenen Professionen innerhalb dieser Schule entfalten ihre Kompetenzen auch im Rahmen externer Kooperation, und ebenso wie innerhalb der Schule besteht auch nach außen die Möglichkeit, neben- bzw. außerunterrichtliche Betreuungs- und Beratungsangebote in Anspruch zu nehmen. Insgesamt, so geben zwei Lehrerinnen aus der Untersuchungsschule an, gebe es „verschiedene Projekte die auch […] von Außenorganisationen“  (GD_Lehrerinnen, FS II) an die Schule herangetragen würden, wie z.B. ein Anti-Aggressions-Training und eine Box-Gruppe. Insgesamt existieren vielfältige, vor allem auf soziales Lernen (? Identität, ?Image) und den Ausgleich von sozial-emotionalen Entwicklungsproblemen fokussierte Angebote und damit, so die Lehrerinnen weiter, „verschiedene Möglichkeiten, die Kinder dann auch zu beraten, die Eltern dann auch zu beraten bis hin zum heranziehen natürlich der sozialen Dienste mit denen wir sehr eng zusammenarbeiten“. Die Rolle der Schulleitung liegt in diesem Zusammenhang eher im allgemein-schulentwicklerischen Bereich: Sie ist, wie auch in anderen Zusammenhängen, Moderatorin von Entwicklungsprozessen (? Leitungskulturen). Die engere Ausgestaltung von Kooperationsbeziehungen bleibt, zumindest im sozialen Bereich, den entsprechenden Professionellen überlassen.

In Anlehnung an die oben dargestellten Befunde, welche die Frage nach der Zielsetzung, Einbindung und „Stoßrichtung“ externer Kooperation zum Kern haben, lassen sich als Reflexionsimpulse zur Schulentwicklung folgende Aspekte formulieren:

 1. Welche Kooperationen bestehen bereits und welchen Beitrag leisten sie zur erfolgreichen Bewältigung unseres Schulalltags?

  • In welche Verantwortungsbereiche wirken diese Kooperationsbeziehungen hinein?
  • Wo liegt das besondere Potential von Kooperationen mit externen Akteuren?

 2. Wo wünschen wir uns (weitere/zusätzliche) Unterstützung von außen?

  • Wo liegen Problemaspekte für Lehrerinnen, Lehrer, Schulleitung und SozialpädagogInnen?
  • Gibt es Aufgabenbereiche, die zur Zeit nur unzureichend erfüllt werden und welche Außenstehenden können uns beim Umgang mit diesen Herausforderungen unterstützen?

3. Welche potentiellen Kooperationspartner bestehen mit Blick auf diese Notwendigkeiten?

  • gibt es Sozialdienste, deren Potential für unsere Schule noch nicht erschöpft sind?
  • gibt es anderweitige Akteure (Vereine, Jugendorganisationen etc.), die mit Blick auf unsere Zielstellungen und Notwendigkeiten in die schulische Arbeit eingebunden werden könnten / sollten?

4. Wie können professionelle Verantwortungen für die Etablierung, Aufrechterhaltung und Integration solcher Kooperationsbeziehungen innerhalb der Schule verteilt werden?

  • gibt es hier professionsspezifische Neigungen und Kompetenzen?
  • existieren evtl. private Beziehungen von Kolleginnen zu potentiell geeigneten außerschulischen Einrichtungen?

 

 

*anonymisiert