Brennpunkt Schule

Ergebnisse des Projekts 'Schulerfolg unter Bedingungen multipler Bildungsrisiken'

Ressourcen

Der schulische Alltag ist geprägt durch die unterschiedlichsten Anforderungen. Einerseits heben sie den pädagogischen Aspekt von Schule und Unterricht hervor und andererseits beinhalten sie den administrativen Aspekt der Leitung und Steuerung einer Schule. Um diese Anforderungen zu bewältigen, ist eine bedarfsgerechte Planung personeller Ressourcen, die für die Umsetzung dieser Aufgaben notwendig sind, erforderlich. Unter Ressourcen wird dabei das Personal verstanden, das sowohl die Schulleitung als auch die Lehrpersonen dabei unterstützt, den Anforderungen an der jeweiligen Schule gerecht zu werden. Dazu zählt zum einen pädagogisch unterstützendes Personal wie z. B. BeratungslehrerInnen, SozialpädagogInnen und SonderpädagogInnen, die im Unterricht unterstützen. Zum anderen beziehen sich solche personellen Ressourcen auch auf den administrativen Bereich in Form der Schulleitung selbst sowie SekretärInnen. Dabei ist es besonders für Schulen in segregierten Stadtteilen von  großer Bedeutung, in welchem Ausmaß diese personellen Ressourcen zur Verfügung stehen und ob diese in Abhängigkeit vom Bedarf verfügbar sind, damit den vielfältigen Herausforderungen und Benachteiligungen, welche an Schulen in kritischer Lage herrschen, entgegengetreten werden kann.

So zeigen die Forschungsergebnisse unserer ersten Fallstudie, dass ein Mangel an personellen Ressourcen zu einem weiteren Grundproblem, neben der Herausforderung des Umgangs mit einer schwierigen Schülerschaft, für Schulen in segregierten Stadtteilen werden kann. Mangels Fachpersonal kann eine Unterrichtskontinuität kaum noch gewährleistet werden, was wiederum dazu führt, dass Ansätze erfolgreicher pädagogischer Arbeit in den Bereichen der Unterrichtsentwicklung, des Klassenmanagement sowie der Stoffvermittlung im Umgang mit einer herausfordernden Schülerschaft unterlaufen werden wie von vielen Seiten des Kollegiums berichtet wurde:

„ganz viele Lehrer sind krank und dauernd irgendwelchen Vertretungsunterricht, Klassenunterricht, das heißt man hat seine Kurse nicht, sondern muss irgendwelche Klassen gesamt unterrichten was dann alles immer nur so ein Provisorium ist und das ist alles sehr stressig“ (Lehrer Fallstudie I).

Auch die hohe Fluktuationsrate von Fachpersonal an unserer ersten Untersuchungsschule erschwert eine erfolgreiche Unterrichtsentwicklung zunehmend. Eine Strategie diesen Mangel aufzufangen ist die Kooperation mit externen Partnern, die nicht immer einen pädagogischen Beruf erlernt haben. Diese sitzen dem Unterricht durchaus bei oder werden eingeteilt die Schülerinnen und Schüler im Trainingsraum zu betreuen. Weiterhin verhindert die Ressourcenknappheit gepaart mit den erschwerten Bedingungen einer hochgradig verhaltensauffälligen Schülerschaft eine dauerhafte und erfolgreiche Binnendifferenzierung, wie sie im Zuge der Schulstrukturreform (Impulsgebung) gewünscht ist. So kam es an unserer Schule dazu, dass unmittelbar nach der Schulfusion nicht das Lehren und Lernen selbst im Fokus des pädagogischen Handelns der Schule stand, sondern das Bemühen darum, Bedingungen zu schaffen, die das Unterrichten erst möglich machten (Ordnung):

„Man braucht richtig gute Rahmenbedingungen also jedenfalls bei unserem Schülerklientel um überhaupt unterrichten zu können und die haben wir noch gar nicht“ (Lehrer Fallstudie I).

Ebenso ist das Ganztagsangebot von Mangel betroffen. Durch sich lange hinziehende politische Entscheidungen fehlten an der Schule die Mittel um das Angebot auszubauen. So äußert sich ein Lehrer in diesem Zusammenhang wie folgt:

„also wir mussten quasi jetzt im luftleeren Raum diesen Nachmittag gestalten“ (Lehrer Fallstudie I).

Das Lehrpersonal an unserer zweiten Untersuchungsschule befürchtet ebenfalls, dass im Zuge der Schulstrukturreform, die inhaltlich zusätzlich die Integration von Schülerinnen und Schüler mit Lernbehinderungen in den Regelunterricht vorsieht, der Mangel an Fachpersonal, wie beispielsweise Sozial- und SonderpädagogInnen, viele Schülerinnen und Schüler in ihren Bedürfnissen unberücksichtigt lassen wird:

die Inklusionsklassen die jetzt neu kommen wird es so sein dass ich dann auch in die Lage komme wie meine Kollegin die Sonderschulpädagogin Frau Gutmann (.) äh in wahrscheinlich mehreren Klassen tätig sein muss; was äh (.) womöglich bedeutet dass ich nicht mehr so sehr in einer Klasse zu allen Bereichen Ansprechpartnerin bin zu allen Dingen die dort anstehen […](.) und ähm das finde ich bisschen schade und bedenklich auch weil (.) dieses springen in Klassen wo sehr viele schwierige Kinder sind, (.) ähm und ich nicht die Zeit habe da als @Vollmitglied sozusagen@ im Kernteam mitzuarbeiten ist- ich befürchte dass es dann dazu kommt dass es äh Rollenkonflikte geben könnte; speziell für Sozialpädagogen die ja nicht unterrichten; die unterrichtsbegleitend da sind unterstützend tätig sind auch im Unterricht allen Kindern gegenüber so habe ich bisher immer gearbeitet (.) aber ich denke auch das wird sich ändern; aber ist nicht gesichertes Wissen was ich jetzt sage“ (Sozialpädagogin Fallstudie II).

Besonders für Schulen in benachteiligten Stadtteilen, die ohnehin die Herausforderungen einer schwierigen Schülerschaft bewältigen müssen, müsste daher vonseiten der Schulverwaltung und Schulpolitik ein für die jeweilige Schule transpatentes Unterstützungssystem mit sachgerechter Verteilung von Fachpersonal geschaffen werden, damit diese Schulen nachwievor ihren Bildungsauftrag erfüllen können und die ohnehin schwierigen Ausgangsbedingungen nicht noch zusätzlich erschwert werden.

1.    Wie sieht unsere Ausstattung hinsichtlich des Fachpersonals aus?

  • Wie sind wir in den einzelnen Klassen aufgestellt?
  • Ist die Anzahl des Fachpersonals je Klasse ausreichend?
  • Wenn nein, warum nicht?
  • Wie hoch ist unsere Krankheitsrate und wie differenziert sich diese aus?
  • Gibt es andere Ressourcen, die uns fehlen?

 2.    Im Falle eines festgestellten Ressourcenmangels, welche Möglichkeiten gibt es um diesem Mangel entgegenzuwirken?

  • Möglichkeiten der Mitwirkung zur Behebung der Situation gibt es für uns?
  • Sind wir bereit diese Möglichkeiten auszuschöpfen? Haben wir dafür die Zeit neben der Bewältigung des Schulalltags?

 3.    Wie sehen zukünftige Projekte aus und welche Ressourcen werden dafür zusätzlich zu den vorhandenen benötigt?

  • Fachpersonal?
  • Finanzielle Ressourcen?
  • Zeitliche Ressourcen?
  • Unterstützungsmaßnahmen von übergeordneten Instanzen der Schule?